So war unser Start – Teil 3

Der letzte Eintrag endet mit dem Silvesterabend bei Yvonne und Harald. Wir haben auch den Neujahrsmorgen noch bei den beiden verbracht und sind so gegen Mittag dann wieder los zu unseren Kartons und all dem Chaos. Fred hatte sich vorgenommen mit Lotta und der ganzen Sippe zu sprechen und einen Termin für ihren Auszug zu vereinbaren. Als wir aber in Rumma ankommen, trauen wir unseren Augen nicht. Lotta zieht aus! Gut – sehr gut!

Sie wartet schon auf uns – möchte unseren Hänger benutzen! Die Situation ist chaotisch! In Mülltüten verpackt schleppt sie, meist allein, ihre Sachen ins Auto. Die größeren Möbelstücke werden irgendwie auf den Hänger gepackt. Das Geschirr wandert in die Kartons, die wir gerade ausgepackt haben. Aber egal – sie zieht aus. Wir packen einen Karton nach dem anderen aus. Schön ist es Möbel auszupacken und sie an ihren neuen Platz zu stellen. Der Auszug von Lotta zieht sich ca. 1 Woche hin. Der Hund zieht gleich mit aus, die Katzen nach und nach. Smulor darf bleiben und wird nun zu unserer Hauskatze. Sie muss lernen, dass man nicht auf den Tisch geht und Futter aus einen Futternapf auf der Erde bekommt.

Wir lernen auch wieder Schwedisch und versuchen einen geregelten Tagesablauf zu gestalten. Wir sind froh endlich allein zu sein und unser neues Heim in Beschlag zu nehmen. Am 7. Januar ist dann wie zum Hohn auch noch unser CD-Laufwerk kaputt gegangen, so dass wir nicht mehr Schwedisch lernen konnten. Irgendwie wird unser Haus nicht warm und bei -20 °C frieren wir, sobald wir uns hinsetzen. Nach einem Gespräch mit dem Makler kommen Lotta und Mike (ihr Bruder) nocheinmal vorbei und versuchen uns das Heizen beizubringen… 

Der Heizungsmonteur war dann am 8. Januar da. Der Beste hier in der Gegend, wie uns unser Makler versicherte. Göppa – der Heizungsmonteur – bestätigte Fred, dass seine Diagnose richtig war. Das Thermostat war kaputt. Und jetzt ist es wie in so einem Klamaukfilm. Die Kette geht so: Thermostat kaputt – Wasser muss zum wechseln des selben abgestellt werden – das entsprechende Ventil ist kaputt – Wasser geht nicht abzustellen – muss also abgelassen werden – wir hatten natürlich geheizt – draußen – 15 °C – Wasser läuft in den Keller mit Holz – und…. läuft nicht ab – Bodenentwässerung auch kaputt – Fred krämpelt die Ärmel hoch und geht mit seinem rechten Arm ins warme dreckige Wasser und versucht den Abfluss frei zubekommen. Leider schafft er das nicht und wir schöpfen später das Wasser ab. Auf Grund der Bauerei hat Fred ja immer kleine Schnitt-, Riss- und Schürfwunden. Da müssen sie dann rein gekommen sein – die Bakterien – Streptokokken sagen die Ärzte.

Am nächsten Tag ist der Arm leicht dick und schmerzt. Aber so ein Indianer kennt ja keinen Schmerz und baut erst noch eine Tür ein – bis es dann schlimmer wird und er beim Kaffee trinken anfängt zu frieren. Er fühlt sich so schlecht, dass er sich freiwillig hinlegt. Wer Fred kennt, weiß was das bedeutet. Der Arm wird zusehends dicker und das Fieberthermometer zeigt 38,4 °C an. Kein Grund zum Arzt zu gehen – nicht für Fred. Meine Unruhe steigt! Lotta kommt vorbei. Sie schaut sich den Arm an und meint es könnte eine Blutvergiftung sein. Jetzt bin ich vollends allarmiert. Ich schaue mir noch einmal den Arm an und sehe auch diese typische Linie. Das Fieberthermometer zeigt nun schon 39,5 °C an. Jetzt halte ich es nicht mehr aus. Fred kann sich kaum noch bewegen und es ist eine Tortur für ihn, jetzt ins Auto zu steigen. Zur Erinnerung – die Fahrertür ist immer noch kaputt. Ich bin bei dem Eis und Schnee lange nicht mehr gefahren und habe echte Bedenken. Fred kann sich kaum auf den Beinen halten. Ich rufe Lotta an und wir fahren los.

Wir haben 30 km zu überwinden. Ich rede die ganze Zeit auf Fred ein, weil ich extreme Angst habe, dass er ohnmächtig wird. In Västervik wartet Lotta auf uns und bringt uns zum Krankenhaus. Das Fieber ist nun bei 41 °C. In der Rettungsstelle wird Fred Blut abgenommen und er bekommt sofort einen Tropf zur Stabilisierung. Fred weiß nicht mehr viel aus dieser Zeit. Er klappert wie verrückt und möchte immer wieder eine Decke. Aber das Fieber muss runter und so muss er nur mit einem T-Shirt und Jeans bekleidet ausharren. Er bekommt Antibiotika über den Tropf und wird auf ein Zimmer gebracht. Hier verabschiede ich mich so gegen 23 Uhr von ihm und fahre nach Haus, da er ja jetzt in guten Händen ist. Das war am 9. Januar. Am 10. (Sonntag) bin ich um 11 Uhr wieder im Krankenhaus. Zum Mittag muss ich ihn füttern, er kann sich kaum aufrichten – ist extrem schwach. Es geht ihm kein Deut besser. Der Arm ist dick wie ein Ballon. Ich mache mir große Sorgen. Die Antibiotika schlagen scheinbar gar nicht an. Schweren Herzens verlasse ich ihn wieder. Zu Haus angekommen ist auch noch die Haustür blockiert und ich muss einen Nachbarn um Hilfe bitten. Er bricht die Kellertür auf, damit ich ins Haus kann.

Ich laufe rum wie behämmert und rufe abends noch einmal im Krankenhaus an. Da sagt man mir, dass sie ihn auf die Intensivstation verlegt haben. Jetzt hält mich nichts mehr – ich fahre wieder ins Krankenhaus. Auch diesmal hilft mir Lotta, dass ich an den richtigen Platz komme. Ich höre, dass er gerade operiert wurde aber noch unter Narkose ist. Ich höre auch wie ernst es ist und dass es höchste Zeit war den Arm zu öffnen, um zu sehen was da drin los ist. Das Schlimme bei dieser Art von Infektion ist, dass man nicht weiß mit welchen Bakterien man es zu tun hat. Es werden also auf Verdacht ein oder mehrere Medikamente verabreicht. Als ich ihn wieder zu Gesicht bekomme, sieht er schlimm aus. Die Augen liegen tief und ich beschließe da zu bleiben. Nichts bringt mich mehr von ihm weg. Ich wache also gemeinsam mit einer deutsch sprechenden Schwester die ganze Nacht bei ihm. So gegen 4 Uhr morgens schläft er endlich ein und fängt an zu schnarchen. Was für ein wohltuendes Geräusch!  Jetzt kann auch ich, auf der Campingliege neben ihm, ein wenig schlafen. Ich wurde übrigens gut versorgt. Habe Kaffee und Essen bekommen wann immer ich wollte.

Jetzt geht es langsam wieder Berg auf. Ich verlasse ihn erst Nachmittags, als er wieder auf eine normale Station verlegt wird. Von nun an fahre ich jedenTag nach Västervik ins Krankenhaus. Am 12. war Göppa wieder da und hat die Heizung in Ordnung gebracht und mir gezeigt, wie ich einen optimalen Nutzen aus dem Heizungssystem ziehen kann. Fred lag eine Woche im Krankenhaus und hat auch reichlich Antibiotika bekommen – insgesamt 18 Tage erst intravenös dann als Tabletten. Jetzt ziert seinen rechten Unterarm eine 23 cm lange Narbe. Als er am 15. Januar wieder zu Haus war, fing es prompt an zu schneien. Fred konnte nicht gut zusehen, wie ich versucht habe alles auf die Reihe zu bringen und hat sich natürlich zu viel zugemutet. Dadurch gab es viele Nächte in denen wir schlecht geschlafen haben, weil er im Schlaf vor Schmerzen geschrien hat.

Die nächsten Tage oder Wochen sind Schnee schieben und Kartons auspacken unsere Hauptbeschäftigung. Die Nachbarn sind toll und helfen uns wo es geht. Als Dank geben wir ihnen manchmal eine von den kleinen Schnapsflaschen (Klopfer), die wir aus Deutschland mitgebracht haben. Auch hier geht der Schnaps in die Beine und so braucht man also immer zwei!

Leider ist die Serie von Pech und Pannen noch nicht vorbei. Am 17. Januar stellen wir fest, dass im Wohnzimmer aus einer dicken Beule an der Decke Wasser tropft. Jetzt erzählen uns die Nachbarn dass es schon immer Probleme mit dem Dach gegeben hat. Am 18. Januar bekommen wir unser Telefon und am 19. wird endlich auch die Fahrertür vom Volvo repariert. Auch das Schloss in der Haustür konnte Fred wieder reparieren und so kehrt langsam so etwas wie Normalität ein.

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