Lakselv – Honningsvåg (24. – 26.06.2009)

24.06.2009

Lakselv – Rastplatz – Stabbursnes- Trollholmsundet

Entfernung: 31 km – Zeit: 2 Stunden 28 Minuten –Durchschnitt: 12,6 km/h

War das eine Nacht! Ja ich muss diesmal mit der Nacht anfangen, denn als wir nach dem Blog schreiben beim Einpacken waren und uns auf den Weg zu unserem Schlafplatz machen wollten, wurden wir zum Bier eingeladen. Zwei Norweger haben uns angesprochen und wir haben noch bis 0 Uhr 15 mit ihnen gesessen und erzählt. Die Nacht war taghell und die Sonne schien vom Feinsten. Stellt euch das vor, wir fahren nach Norden zu dem nächst gelegenen Rastplatz und die Sonne scheint uns ins Gesicht, dass wir unsere Sonnenbrille aufsetzen müssen. Wie gesagt 0 Uhr 30 in der Nacht. Wir sind die 7 km zum Rastplatz geradelt und haben das Panorama zwischen den nackten Felsen, dem Fjord und der Sonne genossen. Rentiere und Vögel waren auch unterwegs. Keine Spur von der Anstrengung des Tages zu spüren. Am Rastplatz angekommen, habe ich mich gewundert, wie die Menschen in den zahlreichen Wohnwagen bei solch einer Sonne schlafen können. Gegen 1 Uhr habe ich das Zelt aufgebaut und Fred hat wie verrückt versucht die Sonne einzufangen.

Zeltaufbau_um_1Uhr_morgens0001

Nein das kleine Zelt im Vordergrund ist unseres. Die anderen gehören den Samen und sind in traditioneller Weise erbaut. Erst um 2 Uhr sind wir in die Schlafsäcke gekrochen, total aufgekratzt. Die Sonne hat all ihre Kraft auf unser Zelt gerichtet, so dass es schön kuschlig warm war. Ausschlafen war angesagt! Um 9 Uhr hat mich Fred dann gefragt, ob ich vielleicht auch aufstehen möchte. Der Morgen war schön so wir beide mit den Füßen ins Wasser mussten. In der Nacht haben wir ja den Fjord bei Ebbe gesehen und jetzt war gerade der Höchststand. Wir konnten beim Abwaschen den Beginn der Ebbe richtig spüren. Gleich neben dem Rastplatz haben die Sami 4 große Zelte aufgestellt. Als gegen 10 Uhr der erste Bus eine Pullerpause am Rastplatz eingelegt hat, waren die Zelte noch zu. Erst später kam eine Sami Frau und hat Souvenirs verkauft. Was für eine Art zu reisen, mit dem Bus an einem Rastplatz anhalten, von all der Schönheit wenig mitbekommend an einem Klohhäuschen Schlange stehen um dann wieder in den Bus zu steigen bis zum nächsten planmäßigen Halt. Wir haben gefrühstückt, im Zelt sitzend und die Sonne auf dem Bauch, dann unsere Sachen zusammengepackt und ein wenig Rentierfleisch bei der Sami Frau probiert. Gegen 12 Uhr 30 sind wir los, die letzten 191 km zum Nordkap vor uns. Nach 9 km kam in Stabbursnes ein Campingplatz, wo wir Mittag gegessen haben. Mittag essen sieht in der Regel so aus, dass wirnach heißem Wasser fragen und uns dann an einen Tisch setzen und unsere eigenen Sachen essen. Gleich in der Nähe des Campingplatzes ist ein Samizentrum, das wir natürlich besuchen mussten. Hier haben wir ein sehr spannenden Film über das Leben im und am Fjord und eine interessante Ausstellung über die hier lebenden Tierarten, der Pflanzenwelt und dem Leben der Sami in diesem Gebiet gesehen. Erst 16 Uhr sind wir schließlich weiter. Eigentlich wollten wir so um die 70 km fahren, was nun nicht mehr möglich war. 17 Uhr sind wir an der Einfahrt zum Trollholmsund angekommen und wollten trotz der fortgeschrittenen Zeit diesen von Feith so schön beschriebenen Platz nicht missen. Also haben wir die 5 km in Angriff genommen. Bald wurde uns wieder einmal klar, dass Tipps von Autofahrern für Fahrradfahrer nicht unbedingt taugen. Es ging wiedermal auf und ab, in der Form dass wir das Fahrrad schieben mussten. Der Trollholmsund ist wirklich ein sehr schöner Platz, aber hätten wir vorher gewusst wie anstrengend der Abstecher dahin wird und dass er uns den Rest unserer Zeit und Kraft raubt, wären wir nicht rein gefahren. Wir haben unsere Fahrräder an einem Berg abgestellt und sind noch ca. 2,5 km gelaufen. Wie der Name schon sagt sind hier Steinformationen die wie Trolle aussehen. Bei schönem Sonnenschein ist hier auch ein schöner Platz um vom großen Fisch zu träumen.

trollholsund0001  traum_vom_Fisch0001

20 Uhr waren wir wiederan der Straße und haben unser Zelt in einem Seitenweg aufgebaut. Wir haben uns eine leckere Nudelsuppe mit Frühlingszwiebeln, Möhren und Knobi, gewürzt mit einer Thai-Kokusnus-Suppen-Gewürzmischung,gekocht. Fred konnte auch heute abend keine Ruhe finden und ist noch mal los nach Fischen schauen und Rotschenkel beim Balzen beobachten und fotografieren. Die Sonne in der Nacht stellt alles auf den Kopf hier.

balzende_Schnepfen0001

25.06.2009

Trollholmsundet – Kistrand – Russel – Indre Svartvik– Ytre Svartvik – Repvåg

Entfernung: 80 km – Zeit: 5 Stunden 08 Minuten –Durchschnitt: 15,5 km/h

Da es nach dem Frühstück wieder mal anfing zu regnen, sind wir noch mal in unsere Schlafsäcke gekrochen.10 Uhr konnten wir losfahren. Nach nur 3 km kommen wir an einem Coop-Supermarkt vorbei und kaufen erst mal ein. Die nächsten Tage wird es schwer einzukaufen und warscheinlich sehr teuer. An einem Berg kommt uns auf einmal Karl entgegen und wir tauschen noch ein paar Erfahrungen aus. Er war schon am Nordkap und kann uns einige nützliche Hinweise geben. Er ist nun auf dem Rückweg und will über Kirgines, an der russischen Grenze entlangfahren. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon über 4000 km hinter sich. Zur Erinnerung der Mann wird Ende des Jahres 70 Jahre alt. An der Straße sehen wir immer wieder Plätze wo Dorsch getrockt wird, der hier in großen Mengen gefangen wird.

Dorsch_Trocknung0001

Nach hartem Kampf und völlig fertig treffen wir auf dem Zeltplatz in Russel ein. Hier wird eine ausgiebige Mittagspause eingelegt. Wieder kaufen wir nur einen Kaffee und verpflegen uns aber selbst. Da kommt Hartvik. Er hatte uns schon zwei mal gesehen und hat Gefallen an uns gefunden. Als er unsere Fahrräder gesehen hat, ist er mit der Familie ins Café gekommen. Hat uns auch gleich angesprochen und wollte uns helfen Rentierfleisch zu bekommen. Das hat zwar nicht geklappt aber diese Freundlichkeit überrascht uns immer wieder. Er hat Fred ins Auto geladen und ist mit ihm umher gefahren um uns Fleisch zu besorgen. Wir treffen noch einen deutschen auf dem Fahrrad und fahren weiter. Der Wind hat zugenommen und so wird die Fahrt noch anstrengender. Wir treffen an einem der Rastplätze einen jungen Deutschen, der auch auf dem Weg nach oben ist. Auf dieser Strecke ist ein Tunnel über 3 km zu bewältigen, der recht kalt und dunkel ist. Die Autos fahren sehr schnell und teilweise aufgeblendet. Eine wirklich unangenehme Erfahrung. Da die Straße recht eben und es trocken bleibt, kämpfen wir uns bis 82 km ran ans Nordkap. In Repvåg gehen wir auf einen Campingplatz. Der Wind erreicht inzwischen Sturmböen und es ist nicht mehr so schön mit dem Zelt. Trotzdem widerstehen wir der Versuchung in der Hütte zu schlafen. Hier gibt es nicht mehr viel. Die Vegitation ist, wenn sie denn da ist, nur noch kurz über dem Boden und Menschen wohnen hier kaum noch.

Karge_Vegitation0001

Da ist sie wieder diese Mount Fuji Mentalität, wie wir sie nennen. Entweder du akzeptierst wie und was wir hier machen oder du ziehst weiter. Letzteres ist mit dem Fahrrad bei diesen Witterungsverhältnissen schwierig, also bleiben wir. Im Restaurant können wir nicht sitzen und in dem Raum, den sie Küche nennen ist wenig Platz und keine Ausstattung. Nach dem Essen (Reis mit Gemüse) gehen wir duschen und ich verkrieche mich in das im Sturm geschüttelte Zelt. Fred erkundet noch die Gegend und kommt dann auch schlafen.

26.06.2009

Repvåg – Sandvik – Kåfjord – Honningsvåg

Entfernung: 54 km – Zeit: 4 Stunden 52 Minuten –Durchschnitt: 11,1 km/h

Erstaunlicher Weise sind wir nicht weggeflogen in der Nacht und es war auch nicht übermäßig kalt. Der Wind hat aber nicht nachgelassen und ab und zu gab es Nieselregen dazu. Das erste Stück vom Campingplatz zur Straße zurück, 2 km, ist hölle anstrengend. Der Wind hat orkanartig geblasen und das von der Seite mit leichtem Nieselregen. Das war der Vorgeschmack für den Tag. Teilweise zwingt uns der Wind zu laufen und speziell an Bergen nimmt er uns jede Möglichkeit uns auf dem Rad zu halten. Dicht an einen Berg gekauert essen wir unser Mittag. Wie es manchmal so ist, hält genau vor uns ein Wohnmobil und wir bekommen die Chance auf einen heißen Tee. Weiter geht es in den Wind und die Berge. Heute geht es wieder richtig rauf und runter. Langsam lassen die Kräfte nach, ich schlafe fast auf dem Fahrrad ein und dann kommt der schon viel beschriebene 6,87 km lange Tunnel.

Tunnerl_zur_N_Insel0001

Wir bereiten uns diesmal richtig vor. Der Tunnel verbindet das Festland mit der Insel und führt dazu bis zu 212 m unter den Meeresspiegel. Natürlich ist es entsprechend kalt im Tunnel. Wir ziehen zusätzlich unsere Regensachen an um uns gegen die Kälte zu schützen. Ich bekomme noch die Zeltlampe auf den Rücken gebunden um besser gesehen zu werden und los geht es. Die Abfahrt ist kalt und hart, da man die ganze Zeit bremsen muss. Es geht ca. 3 km bergab. Nach einer kurzen geraden Strecke geht es 3 km bergauf. Das ist nun wirklich hart. Wir kommen ins Schwitzen. Die Kräfte lassen nach, wir merken deutlich den Sauerstoffmangel im Tunnel. Fahren ist nicht möglich, wir schieben die zum Ende steiler ansteigende Strecke nur noch. Es ist die reine Qual. Mir wird schwindlig, ich merke den geringen Sauerstoffanteil hier unten deutlich. Oben wieder angekommen machen wir erst mal Pause um dann die letzten 16 km bis Honningsvåg. Hier angekommen fahren wir gleich in die Jugendherberge am Weg, trinken völlig erschöpft einen Kaffee und bleiben hängen. Die JH ist zwar sehr teuer, aber bietet einen wirklichen Komfort. So können wir gut kochen und unsere Wäsche waschen. Morgen haben wir ein Frühstück und Internet steht zur Verfügung. Wir beschließen für morgen die letzten 33 km ohne Gepäck zu fahren. Fred streift noch ein wenig umher und ich verschwinde im Bett. Die Aussichten sind gut, morgen Nacht soll die Sonne um Mitternacht scheinen.

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