Kautokeino – Lakselv (19.-23.06.2009)

19.06.2009

Kautokeino – Mierojokka – Stuoranjargga – Gæidnovuoppe

Entfernung: 35 km – Zeit: 3 Stunden 6 Minuten – Durchschnitt: 11,3 km/h

Sind gestern noch in Richtung der Silbergalerie der Familie Juhls gefahren und haben dort auf dem Grundstück hinter dem Parkplatz geschlafen. Morgens kam Regine Juhls vorbei und hat uns einen guten Morgen gewünscht. Als wir alles zusammengepackt hatten sind wir die paar Meter rüber zu der Verkaufsausstellung. Traumhaft, was wir dort zu sehen bekommen haben. Das Haus selbst ist ein Kunstwerk und gleichzeitig das Lebenswerk von Regine und Frank Juhls. Sie sind in den 50-ziger Jahren hier in den hohen Norden gekommen und haben angefangen zu bauen. In einer Zeit wo es hier weder Straßen noch eine Infrastruktur gab. Die Galerie ist eine Empfehlung wert. Schön ist es, wenn man mit Regine Juhls selbst sprechen kann. Sie ist eine Frau, die ihr Leben träumt und ihren Traum lebt. Ihre Tochter hat uns durch die Räume geführt, die ein Spiegel des Lebens ihrer Eltern sind. Regine arbeitet seit 13 Jahren an der Mosaikwand, welche man im Hintergrund sehen kann und Frank Juhls an einem großen Mosaikdaumen mit dem er quasi seinen Fingerabdruck hinterlassen will, sozusagen die vergegenständlichte Identifikation. (www.juhls.no)

Juhls_Gallery0001 Regine_Juhl0001

Wir verbringen ca. 4 Stunden in der Gallerie und bekommen ein Angebot zu bleiben und hier den Sommer über zu arbeiten. Das Angebot ist verlockend, aber wir wollen auf jeden Fall erst unsere Fahrradtour zum Nordkap beenden. Wir sprechen noch lange mit Feith aus Gotha, der hier arbeitet und uns viele gute Tipps gegeben hat. Danke, Feith! Wir reißen uns los, essen noch einen Happen und fahren endlich 16 Uhr weiter. Die Sonne scheint aber leider haben wir kalten und starken Wind von Norden, der uns stark ausbremst. Der 1. Rastplatz ist unser. Außer uns schlafen hier noch zwei weitere Familien im Campern.

20.09.2009

Gæidnovuoppe – Jergul – Kettan

Entfernung: 88 km – Zeit: 6 Stunden 28 Minuten – Durchschnitt: 13,7 km/h

Komme kaum aus dem Schlafsack. Das ist der einzige warme Ort und sonst sind es 5°C und starker kalter Wind. Was hilft es, wenn auch mißmutig, so brechen wir doch auf. Kommen aber nur schwer voran und meine Laune ist auf einem Tiefpunkt angelangt, als wir auf den nächsten Rastplatz kommen. Im Windschatten eines Klohhäuschens essen wir ein paar Kekse. Da kommt die Rettung in Form von des „Kaffeemobils“ von Familie Baumgarten aus Hildesheim. Nach dem Kaffee und einer ca. 1,5 stündigen Unterhaltung im warmen Wohnmobil, geht es mir deutlich besser und wir stellen uns erneut den Bergen und dem Wind. Nochmals vielen Dank! Schon 50 m nach diesem Stopp erreichen wir unsere 3000 km und feiern sie würdig mit Lakritze.

3000_km0001

Auf Feiths Tipp hin fahren wir nach ca. 30 km zu einer Fjellstue. Wir nahmen an, dass dies eine Rasthütte ist. Vorgefunden haben wir eine Anlage mit kleinen Hütten die zu mieten sind. Fred klopft an die Tür und es öffnet der Besitzer in bester Laune und reichlich vom Alkohol gekennzeichnet. Wir essen unser Mittag in der Hütte, können Tee machen und sind nicht dem Wetter ausgesetzt. Zur Verabschiedung erklährt mir der Besitzer, dass er so froh ist seit langem mal wieder eine Frau zu sehen. Es bestünde aber keine Gefahr! 😉 Er hat mich gleich mal in den Arm genommen. Als ich ihm unseren Blog gezeigt habe, hat er sich immer wieder auf die Schenkel geklopft und gemeint dass ich ja schöne Muskeln haben muss. Die zweite Umarmung hat er auch gleich mal genutzt, die „schönen Muskeln“ an meinem Po zu fühlen. 🙂 Zu dem nächsten Ort nach Jergul geht es nur noch Berg auf. Keine Ahnung wie hoch wir waren, aber ca. 450 – 500 m ü.M. Wir sind total am Ende, da wir den Ort viel früher erwartet hatten. Dann ging es den Berg wieder runter mit einem Gefälle von 8 %. Angekommen gehen wir in das Sami-Haus Asttu. Eine sehr schöne Anlage. (www.samitour.com) Bei einem Kaffee am Kamin machen wir hier eine Stunde Pause. Wir entschließen uns so gestärkt doch noch weiter in Richtung Karasjok zu fahren. Nach 26 km im wesentlichen Berg ab (Durchschnittsgeschwindigkeit der Teilstrecke 19,3 km/h) erreichen wir einen Rastplatz wo wir für 2 Nächte unser Zelt aufbauen. Zwei Finnen Tina und Veikka hatten in der Grillhütte bereits ein Feuer an und haben uns dazu eingeladen. Wir kommen schnell in ein nettes Gespräch und feiern die Mittsommernacht und ihr einjähriges Jubiläum mit Lakritzwodka. Ein übles Gesöff bei dem wir es, auch ohne Mitternachtssonne, bis 3 Uhr morgens ausgehalten haben. Wir werden von den beiden zum Blaubeerpflücken nach Mitte Finnland eingeladen, wo die Leute bis zu 200 kg pro Tag ernten.

Tina_Vika_Finnland0001

21.06.2009

Kenttan Rastplatz

Schlafen unseren Rausch aus. Noch etwas benommen machen wir große Wäsche. Am Nachmittag kommen wir mit Hans und Gunhild ins Gespräch. Sie sind gemeinsam mit einer Kirchengruppe zum Grillen und Singen an diesem Platz. Hans lädt uns für morgen zu sich nach Karasjok ein. Gunhild (78 Jahre) verliebt sich stehenden Fußes in Fred. Um 18 Uhr 30 steht sie auf einmal vor dem Zelt und will, dass wir mit zu ihr nach haus kommen. Wir fahren also 35 km in die Berge von Karasjok. Gunhild ist eine liebe kleine Oma, die keine eigene Familie mehr hat. Unser Besuch bei ihr hat ihr sehr gut getan.

Gunhild0001

22.06.2009

Kenttan Rastplatz – Karasjok – Rastplatz 27 km hinter Karasjok

Entfernung: 44 km – Zeit: 3 Stunden 43 Minuten – Durchschnitt: 11,8 km/h

8 Uhr 40 starten wir nach Karasjok. Seit gestern abend sind die Sonne und die Mücken da. Als erstes fahren wir zur Touristeninfo im Sampi Park. Dort lernen wir Marina, Feiths Freundin, kennen. Um 10 Uhr sind wir mit Hans verabredet. Er will uns selbstgemachte Holztassen zeigen. Er freut sich mächtig über unseren Besuch und versucht tapfer mit uns deutsch zu sprechen. Hatte lange keine Gelegenheit. Hans ist 85 Jahre alt. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihm. Dann fahren wir zum Sami Parlament. Dort ist jeden Tag um 12 Uhr 30 eine Führung, an der wir teilnehmen. Die Samis leben in Schweden, Finnland, Norwegen und Rußland. In jedem dieser Länder außer Rußland gibt es ein solches Parlament.

Karasjok_Samiparlament0001

    (www.samediggi.no)

Sami_Tracht0001

Wir kaufen noch ein und trinken noch gemütlich Kaffee. Erst um 17 Uhr 30 kommen wir los. Wir treffen noch mal kurz Gunhild an dem Berg der aus Karasjok herausführt. Die lang gezogenen hohen Berge kosten uns noch einmal viel Kraft. So dass wir 20 Uhr 15 froh sind einen Rastplatz zu finden, auf dem wir unser Zelt aufbauen. Wir kochen uns noch Couscous mit Tiefkühlgemüse und Thaisoße, was sehr lecker war. Wir können auf den Bänken vom Rastplatz in der Sonne sitzen und unser Essen genießen. Bei herrlichem Mitternachtssonnenschein fällt es schwer in den Schlafsack zu kriechen. So beschließt Fred noch bis 1 Uhr zu angeln.

23.06.2009

27 km hinter Karasjok – Skoganvarre – Porsangmoen – Lakselv

Entfernung: 52 km – Zeit: 3 Stunden 31 Minuten – Durchschnitt: 14,8 km/h

6 Uhr 45 weckt mich Fred aus dem Tiefschlaf. Fred ist ein Frühaufsteher, der bei so herrlichem Sonnenschein bereits um 6 Uhr auf den Beinen ist. Ich dagegen brauche auch bei Sonnenschein meine 8 Stunden Schlaf! Um 10 Uhr geht es los und zwar endlich Berg ab auf weiten Strecken. Herrliche Panoramen begleiten heute unseren Weg. Wir genießen die Fahrt an Hochmoorflächen, reißenden Bächen und schneebedeckten Bergen, wo wir die Gelegenheit nutzen einen jungen Brachvogel zu fotografieren.

Brachvogel_Junges0001Moor_Berge_vor_Lakselv0001

In Skoganvarre auf dem Campingplatz genehmigen wir uns eine Kaffeepause. Wir genießen die Sonne und den herrlichen Platz. 12 km vor Lakselv machen wir auf einer Tundrafläche mit herrlichem Blick über die Landschaft Mittag. Gegen 15 Uhr sind wir endlich in Lakselv und versuchen noch Vollkornbrot zu bekommen. Außer die großen Supermärkte schließen die meißten Geschäfte schon um 16 Uhr. Ein wenig frustriert versuchen wir wenigstens noch ins Internet zu kommen. Neben der schon geschlossenen Touristeninfo finden wir ein Restaurant mit WiFi. Der Verwandschaft bleibt das auch nicht verborgen und so telefonieren wir sogar über Skype. Jetzt, 23 Uhr, suchen wir uns noch einen Schlafplatz.

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