Jokkmokk – Gällivare (09. – 11.06.2009)

09.06.2009

Jokkmokk

Ruhetag! Ja so etwas gibt es auch ab und zu. Am Morgen verabschieden wir uns von der kleinen Omi, die wir hier auf dem Zeltplatz kennengelernt haben. Sie ist mit einem VW-Caddy unterwegs, in dem sie auf einer Campingliege schläft. Eine Power hat die 78 Jahre alte allein lebende Dame, dass man nur staunen kann. Was sie sich noch zutraut und mit welcher Energie sie ihren Lebensabend genießt, begeistert uns. Sie reist seit 40 Jahren in Skandinavien um Vögel zu beobachten und immer schon hat sie Camping gemacht. Erst im Alter, gesteht sie, ist ihr heißes Wasser und die Bequemlichkeit eines Campingplatzes wichtig. Wir haben heute mal Kultur gemacht. Das Ajtte Museum in Jokkmokk ist einen Besuch wert. (www.ajtte.com)

Samimuseum0001

Eine hoch interessante Ausstellung zeigt die Entwicklung der Besiedelung in Lappland. Die Lebenbedingungen werden sehr lebensnah gezeigt und es macht Spaß die Beschreibungen dazu zu lesen. Wir haben 3 Stunden im Museum verbracht und viele interessante Dinge über die Samen, die Ureinwohner von Lappland, erfahren. Fred lauscht über all die Tricks der Messermacher ab und so schießt er auch hier ein paar Bilder, zu deren Herstellung. Es war ein wenig anstrengend und wir konnten die Müdigkeit nur mit einem Kaffee bekämpfen. Anschließend haben wir noch ein paar Fotos von der Kirche und verschiedenen Blüten gemacht. Fred hat noch eine Galerie entdeckt und wollte auch gleich rein gehen. Leider hat die Galerie schon um 15 Uhr geschlossen und langsam ärgert uns das. Mein Handy funktioniert nicht mehr und wir wollten einen Laden finden um es überprüfen zu lassen. Auch Fehlanzeige! So etwas gibt es im Norden nicht. Hier kann keiner ein Handy überprüfen, die werden nach Südschweden geschickt, wenn nötig. Fred hatte noch einen anderen Kunsthandwerker gesehen und so sind wir zu seinem Haus gefahren. Als wir nicht so richtig fündig wurden, hat uns dieser zu Martin Kuorak geschickt. Was für ein Erlebnis! Nach dem wir uns ein wenig „beschnuppert“ hatten, wurden wir zum Kaffee eingeladen. Martin und Gunilla sind Samen. Martin arbeitet mit Birkenknollen und Horn von Rentieren und Elchen. Er ist heute einer der prominentesten Samikunsthersteller von Holzkunst und Vollhornmessern. Erst hat er uns Messer gezeigt die zum Verkauf stehen. Dann kamen nach und nach seine gesamten, teilweise privaten und somit unverkäuflichen, Kunstwerke auf den Tisch. Fred und mir sind die Augen über gegangen. Ein Stück ist schöner als das andere. Martin macht Tassen, Schatullen, Messer, Schalen, Schmuck und noch mehr in höchster Präzision. Eine Schatulle hat er mit einem Geheimverschluss versehen. Es war ihm ein Vergnügen zu sehen, dass wir es nicht geschafft haben, diese zu öffnen. Aber nicht nur wir haben gestaunt. Er und seine Frau fanden unsere Fahrt bemerkenswert und haben sich gar nicht wieder eingekriegt. Unsere Helme wurden bestaunt und die Kilometer ausgerechnet die wir am Nordkap insgesamt gefahren sein werden. Zum Kaffee wurde uns Rentierschinken gereicht, der einzigartig schmeckt. Da wir kein Schwedisch sprechen und die beiden kaum Englisch war die Verständigung manchmal schwierig und wir haben viel gelacht. Es wurde noch bei der Tochter in Stockholm angerufen und diese verriet uns, dass ihr Vater seine ersten Arbeiten mit 13 Jahren gemacht hat. Selbst das oft gehütete Geheimnis der Werkstatt und Werkzeuge durften wir zum Schluss noch besichtigen. Nachdem ich ihm beigebracht habe, wie man auf chinesisch „Ich liebe dich!“ (seine einzigen Worte auf Deutsch) sagt, haben wir uns verabschiedet.

   Kuenstler0001   Dose_Martin0001

Wir sind wieder zum Zeltplatz gefahren und haben uns Abendessen gekocht. Fred hat heute Reparaturtag. Seine Brille war im Museum runter gefallen und musste geklebt werden, auch die Angel war zu reparieren und mein Handy hat er wieder in Gang bekommen. Ich kümmer mich um diese Geschichte hier und mache jetzt für heute Schluss, da ich gestern bis 1 Uhr am Computer gesessen habe. Morgen geht es weiter in Richtung Gällivare.

10.06.2009

Skabram – Dragnäs – Jokkmokk – Porjus

Entfernung: 68 km – Zeit: 4 Stunden 31 Minuten – Durchschnitt: 15 km/h

Naturskin0001Am Morgen sind wir erst mal weiter nach Westen zu einer Gerberei im Ort Dragnäs gefahren. Anders gerbt viele Häute mit der ausgekochten Rinde der Salweide. Er präpariert auch Tiere wie Bären oder Vögel. Seine Frau ist eine Sami und die Art Leder zu gerben hat er auch von den Samis gelernt. Außerdem konnten wir bei ihm eine Babytrage, alte und neue Schuhe, Ledertaschen und vieles Mehr bewundern. Die Rentierhäute sind sehr unterschiedlich in ihrer Qualität, so kann es sein dass sie Löcher aufweisen von Parasiten. Die Fälle bekommt er von lokalen Jägern. Wir haben bei ihm u.a. Felle von Eichhörnchen, Schneehasen, Luchsen und Polarfüchsen außerdem gegerbte Häute von diversen Fischen, Rentier, Elch und vieles mehr.

Wir sind noch mal kurz zu unserem Künstler vorbeigefahren und haben uns einen Spruch auf unsere Flagge schreiben lassen. Martin und Gunilla waren hoch erfreut uns zu sehen.
Als wir in Jokkmokk ankommen sind, begegnen wir dem ersten Marathonläufer der TransEurope-FootRace. Wir hatten ja schon von ihnen gehört und uns sofort entschlossen noch zu bleiben und ein paar Fotos von ihnen zu machen. Eine tolle Leistung was diese Männer und Frauen da machen. Sie laufen von Bari/Jtalien zum Nordkap/Norwegen. Das geht uns voll unter die Haut, da wir ja nun selber wissen wie anstrengend es ist bei jedem Wetter auf der Piste zu sein. Direkt an der Strecke ist eine Pizzeria, wo man draußen sitzen kann und so essen wir, zwischen den Fotos der einzelnen Läufer, unser „Dagens Lunch“ (preiswerter Mittagstisch). Wir fahren noch bis zum Ziel und sprechen mit den Läufern. Das deutsche Team ist das größte und der Teamleiter gibt uns auf alle unsere Fragen eine Antwort. Es ist ein umwerfendes Gefühl mit den Läufern zu reden, da nicht nur wir ihre Leistung bewundern, sondern auch sie unsere. Das erfüllt uns mit Stolz. Wir werden ebenso fotografiert und bekommen bereitwillig Unterschriften auf unserer Flagge. Die Läufer und Läuferinnen kommen u.a. aus Frankreich, Norwegen, Schweden, Finnland, Japan, Deutschland und der Schweiz. Die nächste Station ist Gällivare, wo wir ja morgen auch sein werden, nur dass wir die 95 km in zwei Etappen teilen. Am 21. Juni werden sie am Nordkap ankommen. (www.transeurope-footrace.org)

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Zieleinlauf0001 Unterschrift0001

Jetzt geht es aber endlich los. Das Wetter ist gut und so kommen wir gut voran. Einige Fotostopps werden auch eingelegt – das ist nett und wir genießen die Fahrt. 8 km vor Porjus hat Fred auf einmal einen Platten. Da wir seit heute morgen unsere Luftpumpe vermissen, ist dies ein Problem. Wir versuchen einen Camper anzuhalten, aber leider ohne Erfolg. Es hält keiner an! Also fahre ich los um eine Luftpumpe zu besorgen und Fred schiebt so weit er kommt. In Porjus angekommen ist der ICA-Supermarkt schon geschlossen und ich versuche es an der Tankstelle. Ohne Erfolg! Ich klingele an einem Haus, wo Fahrräder davor stehen. Hier sind sie wieder die nette Schweden. Ich bekomme nicht nur eine Luftpumpe, sondern werde auch noch mit dem Auto zu Fred und zurück gefahren. Fred pumpt auf und kommt langsam hinter uns her. Vor dem Haus wird repariert und wir werden mit Kaffee und Essen versorgt. Wir schlafen gleich in der Nähe am See, können aber leider die Mitternachtssonne vor Wolken nicht sehen.

11.06.2009

Porjus – Gällivare

Entfernung: 61 km – Zeit: 4 Stunden 20 Minuten – Durchschnitt: 14,1 km/h

Es regnet und regnet und so schlafen wir einfach weiter. 8 Uhr 30 entschließen wir uns doch noch aufzustehen und kommen gegen 11 Uhr los. Als wir zur Straße hoch kommen, sehen wir schon die Marathonläufer. Sie haben zu der Zeit schon die 48 km von Jokkmokk hinter sich, die wir gestern gefahren sind. Wir grüßen uns gegenseitig und treten in die Pedale. Es ist absolut erstaunlich was diese Menschen leisten. Der zur Zeit führende Läufer überholt uns mal eben am Berg, wo wir deutlich langsamer sind als er. Zwischen Porjus und Gällivare gibt es an der E45 keinen weiteren Ort. Als es einmal aufhört zu regnen, machen wir eine fliegende Mittagspause an der Straße. Wir haben leider nicht den von Jörg zugesagten Servicewagen entdeckt. Hey Jörg wir haben ca. noch 200 km bis zur finnischen Grenze. Die Läufer haben alle 5 km einen Servicepunkt.
Fred hat wieder eine Panne und uns fehlt immer noch die Luftpumpe. Diesmal hält ein schwedischer Caravan an und hilft uns mit Luftpumpe, Kaffee und Keksen aus. Nach ein paar Kilometern ist Freds Luft wieder runter. Jetzt sind es noch 4 km bis Gällivare und ich fahre zur nächsten Tankstelle um eine Luftpumpe zu kaufen. Jetzt stellt Fred fest, dass die Decke direkt an der Felge gerissen ist und somit den Schlauch wiederholt beschädigt hat. An einem Café erfolgt die dritte und damit letzte Reparatur für heute. Eine neue Decke musste drauf und das bei strömenden Regen.
Wir haben uns in der Nähe eine Schlafstelle gesucht und in einer Regenpause das Zelt aufgestellt. Fred macht wieder ein großes Feuer und wir kochen uns Couscous im Wok. Zum Essen müssen wir uns wieder ins Zelt verkriechen, da es wieder regnet.

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