Gällivare – Kautokeino (12. – 18.06.2009)

12.06.2009

Gällivare – Muorjevaara

Entfernung: 31 km – Zeit: 2 Stunden 28 Minuten – Durchschnitt: 12,6 km/h

Wieder regnet es und das Aufstehen fällt schwer. Wir kommen gegen 10 Uhr los, kaufen noch etwas ein und wollen dann den Heimatpark ansehen. Leider ist auch dieser immer noch geschlossen und so gehen wir frustriert in das im selben Park ansässige Café. Dort trinken wir einen Kaffee und bereiten unseren Blog vor. Das ganze dauert eine Weile. In dem Café war heute eine Menge Betrieb, da die Menschen hier den letzten Schultag feiern.

Gallevare_Abiball0001

Eine Mutter und ihre Tochter haben sich aus diesem die traditionelle Sami Tracht angezogen. In der Touristeninfo konnten wir den Blog updaten, da die Bibliothek hoffnungslos ausgebucht war und kein WiFi zur Verfügung stand. Die Schulabgänger fuhren mit einem Laster durch die Stadt. Die ganze Stadt tobte regelrecht. 16 Uhr sind wir endlich aus der Stadt gefahren. Der Weg ist anstrengend – Berge – Wind – und nur die Nachmittags-Kraft. Unterwegs treffen wir Peter aus Hamburg. Er wird im August 75 Jahre alt und ist wie wir mit dem Fahrrad unterwegs. Er ist am 24. April gestartet und fährt wie wir auf der E45 nach Norden. Auch er schläft im Zelt und genießt das sichtlich. Um 19 Uhr sind auch wir endlich auf dem Platz, wie Peter es ausdrückt, machen Feuer und unser Abendessen. Es gibt Spagetti mit Frühlingszwiebeln und weißen Bohnen. Das Zelt muss erst noch abtrocknen, dadurch nimmt alles viel mehr Zeit in Anspruch. Auf einmal hält ein Camper. Einem französischen Paar gefällt unser Platz auch und sie bleiben. Es kommt kaum ein Gespräch auf, da sie keine der Sprachen können, die wir beherrschen und wir kein Französisch können. Ich verkrieche mich recht bald im Zelt und Fred wollte nur noch schnell Luft aufpumpen, da das mit der schwedischen Pumpe besser ohne Gepäck geht. Da bricht ihm von seinem Spezialschlauch das Ventil ab. Nun ist guter Rat teuer, denn wir haben keinen Ersatzreifen. Eigentlich war das ganze absehbar, aber so ist es eben manchmal. Fred ist also die 24 km bis Gällivare noch einmal zurück und zwar im Eiltempo. Angekommen in Gällivare hat die schon erwähnte Tankstelle nicht mehr auf. Trotz langer Suche und privater Telefonate kann er nichts ausrichten. So kommt er unverrichteter Dinge zurück.

13.06.2009

Muorjevaara – Moskojärvi – Skaulo – Puoltikasvaara – Svappavaara

Entfernung: 51 km – Zeit: 3 Stunden 36 Minuten – Durchschnitt: 14,2 km/h

Gegen 1 Uhr 30 ist Fred wieder da und macht noch einen hoffnungslosen Versuch seinen Schlauch zu reparieren. 6 Uhr klingelt der Wecker und um 7 Uhr macht sich Fred erneut auf den Weg die Berge rauf und runter nach Gällivare. Gegen 9 Uhr kommt Peter vorbei und wir schwätzen noch eine Weile. Er ist ein interessanter Mensch und es macht Spaß sich mit ihm zu unterhalten. Das sind sie, diese aktiven Menschen, die wir suchen und nun hier in Schweden reichlich gefunden haben. Peter ist Tischler und hat später als Sozialpädagoge gearbeitet. Wir hätten sicher noch viel zu erzählen. Aber dann fährt er weiter und ich mache mich wieder an meine Arbeit. Ich habe schon fast alles zusammengepackt, das Feuer gehütet, gefrühstückt und Tee gekocht und warte nun auf Fred. Der kommt gegen 9 Uhr 30 zurück, diesmal mit zwei Schläuchen. Er ist ziemilch fertig, ist ja mal so ganz nebenbei 100 km zusätzlich gefahren und noch dazu eine nicht einfache Strecke mit hohem Tempo. Das Loch in der Felge passt nicht zum gekauften Schlauchventil und so muss Fred die Felge erstmal anpassen. Als das Hinterrad wieder eingebaut ist, muss er feststellen, dass die Gangschaltung nicht mehr schaltet. Also auch die auseinandergenommen und mit viel Kleber repariert. Hoffentlich ist unsere Pannenserie damit beendet, denn langsam fragen wir uns ob da irgendetwas dahinter steckt. Gegen 12 Uhr kommen wir dann doch noch los und stellen fest, dass wir beide ziemlich k.o. sind. Fred ist kräftemäßig runter und ich bin müde. Trotzdem wollen wir bis Svappavaara fahren. Die Strecke ist schwierig und es geht über ca. 8 km immer nur Berg auf. Wir schieben viel. Trotz allem halten wir an unserem Ziel fest und schaffen es tatsächlich bis Svappavaara. Dort angekommen nutzen wir die nächste Gelegenheit in Form einer Badestelle um unser Zelt aufzubauen. Der Platz ist schön. Fred macht Feuer und ich richte unser Heim. Erst mal gibt es einen Kakao und ein paar Haferkekse und dann wird in aller Ruhe alles fürs Essen vorbereitet. Fred genießt es mal nichts zu tun und es kommt eine wohlige Ruhe auf. Wir machen uns Nudeln mit Zuchini und Mozarella-Tomatensoße. Schmeckt lecker und als wir fast fertig mit dem Essen sind, kriegen wir Besuch. Ein deutscher Caravan möchte sich zu uns gesellen. Vater und Sohn sind auf dem Weg zum Nordkap. Der Sohn (20) auf einem Rennrad und der Vater (59) als Versorgungsfahrzeug mit dem Camper. Ein tolles Gespann und obwohl es wieder regnet unterhalten wir uns noch lange am Feuer. Die beiden sind am 1. Juni in Trellebourg gestartet und fahren zwischen 100 bis 280 km am Tag.

Augsburger_Radler0001

14.06.2009

Svappavaara – Vitangi

Entfernung: 32 km – Zeit: 2 Stunden – Durchschnitt: 16 km/h

Nach zünftiger Radfahrer Verabschiedung radeln wir 10 Uhr 30 bei Nieselregen los. Uli und Schorsch sind kurz vor uns gestartet. Heute haben wir Glück, die Straße ist recht eben und wir kommen gut voran. Trotzdem muss Fred kämpfen, die Belastung von gestern steckt ihm noch in den Knochen. Ich weiß wie das ist, so ging es mir am Anfang der Tour. Mir hat die Nacht auch nicht ausgereicht um mich zu regenerieren. Die 26 km bis Vitangi fahren wir bei mehr oder weniger Regen. Zum Schluss bekommen wir noch einen Platzregen ab und ich bin wieder Nass bis auf die Haut. Wir fahren zu der Elchfarm, die wir uns ansehen wollten. Die Farm mag ja schön sein, aber irgendwie sind wir enttäuscht. Wollten auf der Farm schlafen und ein wenig hinter die Kulissen schauen. Das war leider nicht möglich und so sind wir weiter zum Campingplatz gefahren. Der Campingplatz macht erst morgen auf und so machte es uns einige Mühe den Platzwart ausfindig zu machen. Wir wollten in einer kleinen Hütte schlafen, was aber unverhältnismäßig teuer geworden wäre. Jetzt schlafen wir in der Umkleidekabine, wo wir unser Zelt aufgestellt haben. Der Verwalter ist wieder nach Haus gefahren und ahnt nichts. Fred ist noch fischen und ich lege mich jetzt schlafen.

15.06.2009

Vitangi – Nedre Soppero – Övre Soppero

Entfernung: 51 km – Zeit: 3 Stunden 39 Minuten – Durchschnitt: 14 km/h

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Wir schlafen weiter bis 8 Uhr und gehen damit das Risiko ein entdeckt zu werden. Fred hatte gestern abend noch einen 40 cm Hecht gefangen, den wir natürlich auch noch gebraten und gegessen haben. Dadurch haben wir nun kein Benzin mehr zum kochen. Fred fährt also zur Tankstelle und ich packe, immer mit einem Ohr draußen ob der Verwalter kommt. Neben uns steht ein Pärchen aus Pretschen beim Spreewald und macht uns heiß Wasser, damit wir einen Tee trinken können. Fam. Schulze hat eine eigene Bäckerei und schenkt uns gleich noch ein paar Kekse dazu. Da wir noch ein wenig plaudern, kommt irgendwann der Verwalter und wir müssen machen, dass wir noch unbemerkt vom Platz kommen. Wir fühlen uns wie Schulkinder die jemandem einen Streich spielen. Alles klappt wunderbar und wir bei Nieselregen gut gelaunt unserem nächsten Etappenziel entgegen. Ich bin irgendwie nur auf 60 % meiner Kraft, daher fällt mir das Fahren heute etwas schwer. 14 km hinter Vitangi finden wir eine Anglerhütte. Fred hatte gestern schon diesen Tipp bekommen, dass man hier gut übernachten kann. Das schauen wir uns natürlich an und finden die Hütte schon besetzt von einem jungen schwedischen Pärchen. Pernilla und ihr Freund sind wie wir gestern total durchgeweicht und die ganze Hütte hängt voller Sachen. Ein netter Stopp, wir knabbern Kekse und plaudern ein wenig. Die Sonne kommt durch und wir fahren weiter. In Nedre Soppero machen wir Halt. Es gibt hier eine Samische Familie, die Kunstgegenstände nach traditioneller Samiart herstellt. Der Silberschmuck hat es mir angetan. (www.marainenssilver.se) Als wir den Schmuck bestaunen, fängt es wieder an zu regnen. Wir fahren trotzdem noch 6 km weiter nach Övre Soppero. Dort kommen wir 17 Uhr an. Wir suchen nach einer Möglichkeit zu schlafen. Hier ist ein Hostel, Hotel, Gaststätte und eine Baptistische Kirche in einem Gebäude vereint.

Baptistische_Kirche0001

Die Leute sind sehr nett und wir bekommen ein kleines warmes Zimmer. Wir sind die einzigen Gäste im Hostel und ich verschwinde fast sofort ins Bett. Fred kocht in der Küche vom Hostel und geht nach dem Abendessen noch fischen. Ich dusche nach dem Essen, was eine Wohltat ist und verschwinde wieder ins Bett.

16.06.2009

Övre Soppero – Mertajärvi – Karesuando (Schweden) – 6 km nach Kaaresuvanto (Finnland)

Entfernung: 64 km – Zeit: 4 Stunden 20 Minuten – Durchschnitt: 14,8 km/h

Gut und lange geschlafen, fahre ich mit frischen Kräften gegen 9 Uhr los. Leider macht das Wetter nicht so mit, es nieselt wieder und das kann einem schon die Laune verderben. Die Strecke ist gut und wir kommen gut voran. Unterwegs treffen wir auf einen jungen Schweden, der vom Kap kommt. Als wir uns mit ihm unterhalten gesellt sich Karl aus Bern zu uns. Karl ist fast 70 Jahre alt und wollte sich den Traum zum Nordkap mit dem Fahrrad noch erfüllen. Wir machen ein kleines Radlermeeting der Nordkapfahrer.

Karl_Ott_aus_Bern0001

Wie der Zufall es manchmal so will hupt es auf einmal ganz aufgeregt und Britta hält kurz an. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte und schon fährt sie und alle anderen weiter ihren Weg.
In Karessuando machen wir unseren letzten Einkauf in Schweden. Beim Einkaufen steht auf einmal wieder Peter vor uns und wir nutzen die Gelegenheit um ein Foto mit ihm zu machen.

Peter_aus_Hamburg0001

Nun geht es auch schon über die Grenze nach Finnland. Unglaublich! Wir haben es geschafft Schweden von Süden nach Norden zu durchfahren. Unser Tacho zeigt beim Überqueren der Brücke 2800 km an. Das ist ein Gefühl, was uns keiner mehr nehmen kann. Wau!

Finnlandgrenze0001 letzte_Position_in_Schweden_048

Ca. 8 km nach Kaaresuvanto, dem gleichen Ort auf der finnischen Seite, schlagen wir uns in den Wald und schlafen dort. Diese Nacht ist traumhaft. Das erste mal erleben wir, dass die Sonne tatsächlich die ganze Nacht da ist. Ich gehe um 23 Uhr schlafen bei strahlender „Nachmittagssonne“ und Fred geht noch angeln. Als Fred um 0 Uhr 30 ins Zelt kommt ist die Sonne immer noch da. Man muss sich wirklich zwingen schlafen zu gehen.

17.06.2009

Kaaresuvanto – Kuttanen – Vähäniva – Palojoensuu – Muotkajärvi – Enontekiö – Leppajärvi

Entfernung: 76 km – Zeit: 4 Stunden 57 Minuten – Durchschnitt: 15,4 km/h

Trotzdem die Sonne die ganze Nacht scheint, geht die Temperatur runter auf 4 °C. Wir schlafen beide nicht so gut, weil wir uns nicht genügend angezogen haben und frieren. 9 Uhr fahren wir los. In Kuttanen sehen wir eine Rentierfarm, die leider sehr lieblos geführt wird und warscheinlich besser im Winter zu besuchen ist. Die Strecke fährt sich recht gut, bis auf ein paar größere Berge. Mittag machen wir in einem Bushäuschen aus Ermanglung anderer Möglichkeiten. Wieder nieselt es, glücklicher Weise nur ganz kurz. Nach dem Essen kommt kalter Wind, aus … na? Norden, auf. Das macht die weitere Fahrt anstrengend. Es geht viel auf und ab, was ohne den Wind kein großes Problem gewesen wäre. Nach weiteren ca. 10 km machen wir Stopp an einem gut ausgebauten Vogelbeobachtungsturm mit Feuerplatz. Eine Gelegenheit Wasser für einen Kakao zu kochen und ein Nickerchen zu machen.

1__Mittagspause_in_Finnland0001

Peter stößt auch noch zu uns und wir fahren gemeinsam weiter bis Enontekiö. Dort trennen wir uns und fahren weiter. Unterwegs treffen wir zwei Schweizer, die am Nordkap waren und nun die Strecke mit dem Fahrrad nach Haus fahren.

die_Schweizer0001

An der Straße sehen wir einen Souveniershop und halten an. Hier werden warscheinlich ganze Busladungen abgefertigt. Uns gefällt der Laden nicht, alles zu unpersönlich. Kurz danach biegen wir von der Straße ab und bauen unser Zelt auf. Fred macht gleich wieder Feuer und wir kochen uns Nudeln mit Corned Beef und Tomatensoße. Da es windig ist, essen wir im Zelt bei schöner Abendsonne. Nach dem Essen habe ich einige Reparaturarbeiten zu erledigen. Fred fällt einfach um und schläft sofort ein. Auch ich schlafe eine kleine Runde bevor wir abwaschen, uns waschen und endgültig in unseren Schlafsäcke verschwinden. Heute wird alles verfügbare angezogen, damit wir gut schlafen können.

18.06.2009

Leppajärvi – Palojärvi – Kivilompolo (Finnland) – Aiddjavrre (Norwegen) – Siebe – Kautokeino

Entfernung: 66 km – Zeit: 4 Stunden 57 Minuten – Durchschnitt: 15 km/h

Die Sonne scheint quasi bis wir aufstehen, dann bezieht es sich wieder. Es ist den ganzen Tag wolkig und ab und zu schaut die Sonne mal raus. Heute ist noch ein wenig Fuß- und Handpflege angesagt. Besonders die Hände leiden unter den Witterungseinflüssen. Wir legen für Peter noch ein Zeichen und fahren gegen 9 Uhr 30 los. Noch 20 km trennen uns von der finnisch-norwegischen Grenze. Eine Kaffeepause auf finnischer Seite verschafft uns eine Bekanntschaft in Norwegen und eine Einladung nach Hammerfest, die nördlichste Stadt Europas, wo dieser Peter zu hause ist. Wir treffen auf unserem Weg wieder Peter und Karl. Beim Kilometerstand 2905 überqueren wir ganz unspektakulär die Grenze zu Norwegen.

Grenze_zu_Norwegen0001

Ist das nicht einfach irre. Morgen werden wir die Marke 3000 km erreichen und die verbleibenden ca. 330 km erscheinen mir wie ein Kinderspiel. Ich kann es selbst manchmal nicht fassen. Und auf der ganzen Strecke haben wir nur Männer gesehen, die mit dem Fahrrad eine solche Tour machen. Da male ich mir doch ein dickes Sternchen in mein Sputnikbuch!!! Peter und wir überholen uns gegenseitig und fahren das letzte Stück nach Kautokeino gemeinsam. Hier kaufen wir ein und schreiben die letzten Tage für euch daheim.

Dieser Beitrag wurde unter Mit dem Fahrrad zum Nordkap veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.