Finale – Nordkap 27.06.2009

27.06.2009

Honningsvåg – Nordkap – Honnningsvåg

Entfernung: 47 km – Zeit: 3 Stunden 28 Minuten –Durchschnitt: 13,6 km/h

Gut ausgeschlafen stehen wir um 9 Uhr auf. Wir wollen erst heute Nachmittag unsere letzte Etappe zum Nordkap in Angriff nehmen. Wir genießen also das sehr gute Frühstücksbüfett und plaudern noch eine Weile mit André aus Erfurt, der gestern mit dem Fahrrad am Nordkap war, und Richard aus München, einem aktiven Rentner. Den Blog der letzten Tage können wir auch noch online stellen bevor wir aufbrechen. Der Plan ist gegen 16 Uhr zum Nordkap, gegen 1 Uhr zurück und um 6 Uhr 15 mit den Hurtig-Routen nach Hammerfest zu fahren. Das Gepäck können wir im Hostel lassen. Wir haben den Code zum Betreten des Hauses, da so früh natürlich noch niemand hier ist, der uns aufmachen könnte. Fred legt sich noch mal hin und ich schreibe unsere letzten Tage auf. 16 Uhr 30 fahren wir los, nicht ohne von einer Angestellten vom Hostel noch mit Proviant versorgt zu werden. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Jugendherberge in Honningsvåg, zwar teuer ist aber auch einen entsprechenden Service bietet. (http://www.hihostels.no/de/nordkapp/)
Die ersten 8 km verlaufen direkt am Fjord und damit auch einfach zu fahren. Noch vor dem ersten Berg ist ein Campingplatz gelegen, auf dem ich die vermutlich letzte Gelegenheit aufeine Toilette zu gehen, nutze. Jetzt kommt der erste Berg. Die Steigung ist 9 %und das zieht sich über ca. 3 km hin. Auch nach dieser Steigung wird es nicht viel besser, es geht gleich weiter bergauf. Der Wind bläst auch immer noch heftig in diesem Teil der Insel. Als wir endlich den ersten Abschnitt mit seinen Steigungen überwunden haben, geht es wieder bergab. Wir, vielleicht besonder sich, sind schon ziemlich k.o. nach dieser Kette von Steigungen. Mit Erschrecken sehe ich, dass es jetzt wieder bergab geht und auf der gegenüberliegenden Seite eine unendlich lang gezogene Steigung wieder nach oben geht. Ich verliere ein wenig die Nerven und könnte heulen. Die letzten drei Tage sind wohl die schwersten der gesamten Tour. Natürlich können wir jetzt nicht mehr aufgeben und fahren letztendlich weiter. Bei ca. 5 °C und endlich nachlassendem Nordwind fahren wir unendlich viele Male bergauf und -ab. An den langgezogenen Bergen verlässt uns die Kraft und wir müssen oft kilometerweit schieben. Nach 3 Stunden haben wir die 31 km bewältigt. Ich stehe völlig neben mir. Fange an zu heulen und kann nur noch rufen: „Ich hab’s geschafft, ich bin hier, ich hab’s geschafft…!!!“ Nach einem ersten Foto brauchen wir eine ganze Weile umwirklich anzukommen und die Situation zu erfassen.

    21_Uhr_am_Kap0001     3374_km_am_Kapp0001

3373 km liegen hinter uns! Wir hatten viele schöne Erlebnisse, haben viele nette Leute kennengelernt und so manches mal keine Kraft mehr – sind selten bei Sonnenschein geradelt und hatte sogar Eis auf dem Zelt – die Badesachen sind umsonst mitgefahren und gefroren haben wir mehr als genug. Wir haben erst mal etwas gegessen und uns ein wenig im Touristenzentrum umgesehen. Es gibt noch einen interessanten Film über die Nordkapinsel, den wir auch nicht verpassen wollten. Anschließend haben wir noch die kleine Ausstellung, die Kapelle und das Thai-Museum besucht. Leider hat sich die Windrichtung ein wenig geändert, wie wir von dem Service-Personal erfahren, und somit sind die Aussichten auf Mitternachtssonne äußerst gering. Wir haben uns natürlich in das Gästebuch für Radler eingetragen und noch eine Bestätigung auf unsere Flagge schreiben lassen. Nun war es bereits 1 Uhr MEZ und der richtige Zeitpunkt um noch ein paar zünftige Bilder zu machen. Als wir vor den typischen Fotopunkten mit unserer Flagge posierten und Fred uns mit Selbstauslösung fotografiert, bildet sich immer wieder eine Traube Menschen um uns herum und wir müssen unsere Geschichte erzählen. Sie feiern mit uns unseren Erfolg, das tat gut, obwohl auch jetzt meine Augen immer wieder voller Tränen waren.

1_Uhr_Morgens_Nordkap0001

Am Horizont veränderte sich das Bild und die übrig gebliebenen und erste Touristen hofften auf ein wenig Sonne. Der letzte Bus mit Reisegruppe fuhr gegen 1 Uhr los. Als wir schon auf unseren Rädern saßen, kam die Sonne für ein paar Minuten hinter den Wolken vor. Sofort wurden Kamera und Stativ wieder ausgepackt.

1_Uhr_30_Nordkap0001

Gegen 1 Uhr 45 sind wir endlich wieder los. Zur Erinnerung, wir mussten nun noch 31 km zurück nach Honningsvåg zurückfahren. Das war vom Licht her gesehen kein Problem, da es ja taghell war. Ein paar Fotostopps haben das Radeln ab und zu unterbrochen. Auf der Südseite nahm der nun vollständig nach West gedrehte Wind wieder zu und hat uns zur Abwechslung sogar manchmal geschoben. Gegen 4 Uhr 45 haben wir das Hostel völlig übermüdet erreicht. Hier haben wir uns ein Frühstück gemacht und unsere Sachen wieder geordnet und für die Abreise fertiggemacht. Alles mußte zügig gehen, da wir schon 5 Uhr 45 zum Schiff nach Hammerfest fahren mußten.
Hiermit schließe ich die Berichterstattung in diesem Blog. Es wird später noch eine Abrechnung geben.
Das war sie also, unsere Fahrradtour zum Nordkap. Ich kann mich noch gut an die Strapazen der 10 tägigen Wanderung im Annapurna Gebirge (Nepal), die Besteigung des Yulongshan in Yunan (China), den Kepler Track in Neuseeland und die Tour auf den Mount Fuji (Japan) erinnern. Die Radtour zum Nordkap war bisher die anstrengendste und am längsten andauernde Herausforderung meines Lebens. Und ich habe sie geschafft, nicht zuletzt durch die Hilfe von Fred.

End-Tachostand 3407 km    –   Und hier geht es weiter: Vom Nordkap zurück!

Dieser Beitrag wurde unter Mit dem Fahrrad zum Nordkap veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Finale – Nordkap 27.06.2009

  1. Jörg Schreitter sagt:

    Liebe Maren, lieber Fred – immer wieder habe ich euren Blog gelesen und gedanklich mit euch das Auf- und Ab verfolgt. Nun habt ihr es geschafft – und ich freue mich irgendwie mit euch. Super! Meine aufrichtigen Komplimente. Ihr koennt stolz auf euch sein.
    Herzliche Gruesse,
    Euer Joerg

  2. Maren sagt:

    Hallo Jörg, hallo Elfi, ja wir sind stolz auf uns und gerade dabei uns ein wenig zu erholen. Ist schon erstaunlich welche Leistungen man imstande ist zu vollbringen. Ich (Maren) hätte nie geglaubt, dass ich das schaffe. Danke auch für eure Begleitung, es ist schön zu wissen, dass ihr mit uns mitfiebert. Wir sind gerade in Tromso und bewegen uns in den nächsten Tagen in Richtung Lofoten. Du kannst weiter dran bleiben, ein neuer Blog ist schon eröffnet. Aber gib uns noch ein wenig Zeit zum Entspannen.
    Ganz liebe Grüße an euch drei von Fred & Maren

  3. Jenny sagt:

    Ich bin unheimlich stolz auf euch!

  4. Maren sagt:

    Hallo liebe Jenny, ja wir sind auch stolz auf uns. Es ist toll eine so große Leistung vollbracht zu haben. Jetzt machen wir ein paar norwegische Inseln unsicher. Ganz liebe Grüße zu dir, wo immer du auch bist. Die radelnden Trolle aus Senjatrollet Fred & Maren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.